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Blaskapelle Meeder in Torrevieja/Spanien Drucken E-Mail

Nach den intensiven Vorbereitungen war es nun so weit. Es konnte los gehen...

...Der Bürgermeister war mit seiner Frau bereits einen Tag vorher abgereist, zeitgleich mit dem Instrumententransport, den Michael und Bianca Fischer übernahmen. Mit kleinen Hürden erfolgten durch den Bürgermeister die letzten Regelungen in Spanien, während sich die Fischers 2500 Km ohne Klimaanlage durch die Hitze des Südens quälen mussten. Am 24.08.09 am Flughafen in Alicante gelandet, wurden wir dort von unserer Bürgermeisterfamilie mit zwei Bussen abgeholt. Wer kann so etwas schon von sich behaupten? In dieser Zeit kam der Instrumententransport im Hotel Cabo Cervera in Torrevieja an, dem wir so ca. 2 Stunden später folgten. Erste Feststellung: Es ist mächtig heiß! Zum Einleben blieb wenig Zeit, denn das erste Konzert unserer Gastgeber begann bereits um 22:00 Uhr. Zweite Feststellung: Es ist dunkel und immer noch mächtig warm. Einerseits begeisterte uns das dargebotene Programm unserer Gastgeber und andererseits machte uns dies ziemlich nervös. Eine erstklassige, kaum zu toppende Leistung trieb uns ins schlechte Gewissen. Dritte Feststellung: Die heißblütigen Spanier sind ziemlich konzertkühl, um nicht zu sagen steif und klatschen förmlich nach Etikette. Kein Klatschen zum Takt, keine Freuden zwischendurch wie wir es kennen, nur zum Schluss ein kurzer und heftiger Beifall mit „standig ovations". Dann war aber auch abrupt das Ende da und der Konzertsaal, der noch drei oder vier Reihen für Gäste geboten hätte, leer.

Uns war klar, dass wir da nicht mithalten können, was angesichts der vielen Jugendlichen und der Tatsache, dass wir keine Profis wie die anderen Gäste sind, eigentlich nicht so schlimm war, aber furchtbar erdrückend schien. So gestaltete sich der Dienstag als sehr konzentriert, denn am Abend waren wir mit dem ersten Konzert an der Reihe.

Der Konzertabend beginnt stets mit einem Umzug vom Rathaus aus durch die Stadt zur Konzerthalle. Bei 32 Grad nächtlicher Temperatur war dies weder für den Bürgermeister mit Anzug und Krawatte, noch für uns marschierend und spielend eine trockene Sache. Es ist aber schon beeindruckend, wenn man unter Palmen von den hohen Häusern den Klang in den Gassen widerhallen hört. Auch diese Einstimmung vermochte jedoch nicht die Nervosität zu nehmen. Der Konzertsaal war ähnlich besetzt wie am Vortag und es konnte mit unserem Programm für uns los gehen. Die Spanier zunächst steif wie gewohnt und dann sichtlich verwirrt, indem sie bei der Polka mitklatschen sollten. Diese Verwirrung wussten wir noch zu steigern, indem die Musiker die Bühne verließen und spielend ins Publikum marschierten. Alles gipfelte dann noch darin, dass wir entgegen der Sitte und des Verbots eine spanische Zugabe spielten. Dann entlud sich das spanische Temperament in ungeahnter Weise und wir waren unheimlich stolz und erleichtert, was angesichts der anwesenden Gäste nicht ganz einfach war. Schließlich befanden sich hohe Kapellmeister und der höchstdekorierte Musiker aller italienischen Staatskapellen unter uns. Das eine oder andere Lob ging uns natürlich hinunter wie Öl und die Kritik war gerecht und sachlich.

Der Mittwoch war relativ stressfrei. Man genoss den Pool, das Meer, die Sonne, die Wärme, das Essen und die Menschen. Wir genossen auch die Gesellschaft eines englischen Chors und der anderen Musikkapellen mit denen wir das Hotel teilten.

Tagsüber hatten wir eine Stadtführung mit Besuch des Hafens, des U-Bootes, des Salzmuseums, denn es zeigt das weiße Gold der Stadt und der Ausstellung der Semana Santa.

Mittags gab es dann eine Pressekonferenz beim Bürgermeister von Torrevieja, bei welcher Vorstände, Dirigent und Bürgermeister anwesend sein mussten. Einige begleiteten unsere Entsandten, die dann erstaunt feststellen mussten, dass unser Bürgermeister die Presseerklärung in spanisch hielt, was dem Bürgermeister Mateo entlockte, dass das Spanisch unseres Bürgermeisters deutlich besser sei, als Herrn Mateo´s Englisch. Dies scheint erwähnenswert, da im Jahr zuvor der spanische Alcalde fragte, warum Bürgermeister Brunners Spanisch so schlecht sei, er hingegen weder deutsch, französisch noch englisch sprach. Die Spanier sind eben ein stolzes Volk. Auch unser Dirigent meisterte seine Aufgabe mit Hilfe unserer Dolmetscherinnen Bettina Wrobel und Maria Roos prima, die für uns ein tolles Team waren, was auch auf die Familie Leopold zutrifft, die eigentlichen Anstifter dieser gesamten Aktion. So wurden gegenseitig die Geschenke überreicht und versucht sich über die wichtigen Dinge zu unterhalten. Über die Pressekonferenz gab es dann in den TV-Nachrichten einen kleinen Ausschnitt.

Abends ging es dann wieder ins Konzert des staatlichen Polizeiorchesters aus Tallin, Estland. Die waren noch besser als die Gastgeber. Solisten spielten traumhaft ihre Instrumente und man merkte deutlich den Unterschied zwischen Berufs- und Hobbymusikern, so zumindest unsere Wahrnehmung. Das förderte wieder unsere Nervosität.

 

Diese zog sich dann auch durch den gesamten Donnerstag und alle lustigen Ereignisse vermochten nicht das Gefühl zu vertreiben. Wir versuchten ausgelassen zu sein und es tat gut, dass wir von den anderen Kapellen tollen Zuspruch erhielten. Auch die Kameradschaft war zwischen uns Meederern und Rödentalern, zwischen Jung und „Jung" und unter den Familien ausgesprochen gut. Den Jugendlichen konnte zudem ein tadelloses Verhalten bescheinigt werden, was sich während der gesamten Zeit nicht änderte. Dies wurde sogar von der Hotelleitung positiv bemerkt.

Am Abend dann die Kapelle Festival Brass Irland. Einfach nur spitze, ansonsten etwas steif wie gehabt. Die Leistung der Irländer traf natürlich wieder unseren Nerv.

 

Dieser lag dann vor dem zweiten Auftritt am Freitag fast blank. Schlimmer wurde es dann noch, als wir erfahren mussten, dass die Konzerthalle ausverkauft war. Leute riefen bei den Organisatoren und im Rathaus an und erkundigten sich ob es noch Karten gäbe und ob das Konzert so toll werden würde wie am Dienstag. Noch toller, so die Antwort der Befragten, ohne genau zu wissen was auf sie zukommen würde. Die Konzerte wurden ja von TV und Rundfunk mitgeschnitten und übertragen. Nach dem obligatorischen Umzug hatte man dann noch etwas Zeit hinter der Bühne und zum Glück sahen wir nicht was vorne los war.

Gäste bestürmten unseren Bürgermeister und Herrn Leopold. Una Polka porfavor! Gracias! Und noch viele andere Worte und Phrasen waren zu hören. Obgleich nicht alle Sitzplätze belegt waren, war die Halle ausverkauft und Einlassbegehrende wurden nach Hause geschickt und auf TV und Rundfunk verwiesen. Sicherlich waren wir technisch nicht unbedingt die Besten aber wir berührten die Emotionen der Besucher. Es war einfach überwältigend, ganz egal ob Musiker oder Gäste. Mit Einlagen besonderer Art, wie z.B. unserem Bodyrap, den Alphörnern oder den Solos unseres Dirigenten erspielten wir die Herzen der Spanier, so dass die Zuhörer am Ende der Veranstaltung unseren Dirigenten und den Bürgermeister fast erdrückten. Auch mit der Veranstaltung am Folgetag spielten wir, im Gegensatz zu allen anderen Kapellen, kein Stück zweimal und so tat ein anerkennendes Wort aus berufenem italienischem Munde besonders gut. „Ihr seid nicht die Besten, habt keine herausragenden Solisten auf die man alles abstellen könnte, aber ihr habt eine beneidenswerte musikalische Bandbreite, ein ausgezeichnetes Repertoir und eine Spielfähigkeit mit Kindern und Jugendlichen, die seinesgleichen sucht. Und - ihr habt einen Traum von Dirigenten!"

 

Das Abschiedskonzert vermochte dann auch uns zu berühren. Nachdem jede Kapelle sein Programm absolvierte, spielten wir, die ca. 200 Musiker aller Kapellen zusammen zunächst einen Pasodoble und dann im Gänsehautfeeling alle vier Nationalhymnen. Unser Dirigent Markus spielte auf einer Blockflöte zum Erstaunen aller fachlichen und weniger fachlichen Gäste das Lied El cóndor pasa. Einfaches kleines Instrument - monumentale Wirkung.

 

Insgesamt ein unvergessliches Erlebnis für das wir sehr dankbar sind und auch denken, dass wir die Region und unser Land gut vertreten haben.

 

Bgm Brunner:

Ich kann dies alles nur bestätigen und bin stolz auf diese Leistung, die in einzigartiger Weise in Zusammenarbeit zwischen den Orchestern aus Rödental und Meeder entstanden ist. Es freut mich sehr, dass nicht nur Leistung zählt, sondern vor allem Emotionen und Freundschaft im Vordergrund standen. Man konnte keinen Unterschied sehen, wer aus Rödental und wer aus Meeder war. Alle bildeten eine harmonische Familie, die mit Jung und Alt wussten worum es geht und sich nicht nur musikalisch vorbildlich verhalten haben. Die Region Coburg kann darauf mit Recht stolz sein.

Dafür danke ich den Vorständen Thomas Krämer und Christian Jäger, sowie dem Dirigenten Markus Hollstein. Ich danke auch allen Musikern, den netten Burschen und Mädels und den Familien, die Ihre Kinder mit Anwesenheit unterstützt haben. Besonders danke ich auch der Familie Leopold, den Dolmetscherinnen Bettina Wrobel und Maria Roos sowie den Fischers für die Unterstützung beim Transport und Einkauf.

Ich danke allen Sponsoren, die teils erhebliche finanzielle Unterstützung leisteten, wobei uns der kleinste Betrag für die Sache wichtig war. Mein größter Dank geht an die Stadt Torrevieja für die Einladung und die Unterbringung unserer Musiker. Gerne bin ich dieser Einladung gefolgt, übrigens als bisher erster Bürgermeister, was besonders erwähnt wurde. Das bereits nachträglich angeforderte Bildmaterial aus Stadt und Landkreis Coburg habe ich im Nachgang für die Ausstellung in Torrevieja zur Verfügung gestellt.

Deutsche Internetseite von Torrevieja.

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Aktuelles - letzte Änderung: Samstag, 3. Oktober 2009 | 9344
 
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